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Sunday, November 4, 2012

Der Strom hat uns wieder

Der Stromgott hatte ein Einsehen: Der Saft fliesst wieder aus der Steckdose in den Fernseher, Kuehlschrank, Foehn, Computer. Ich kann euch sagen, so ohne Strom ist nicht ganz ohne. Hier eine Liste der Dinge, die wir in den vergangenen Tagen gelernt haben:
Man kann sich tatsaechlich fuenf Tage lang mit dem Gatten unterhalten ohne ihn umbringen zu wollen.
Kaltes duschen fuehrt nicht automatisch zu einer Lungenentzuendung.
Dieselbe Jeans kann zweimal getragen werden.
Hunde fressen auch im Dunklen.
Spuelen mit kaltem Wasser laesst die Haende nicht altern.
Man kann einen Hackbraten auf dem Grill backen.
Wenn man plant, sich von Muesli und Cornflakes zu ernaehren, macht es Sinn, ausreichend Milch zu kaufen.
Nutella auf ungetoastetem Toastbrot schmeckt nur halb so lecker.
Man kann im akutesten Notfall auch ohne Ferneher und Internet leben (wenn auch nur schwerlich) und Starbucks ist immer ein guter Zufluchtsort fuer internetlose Seelen. (Angeblich haben die Leute selbst vor den geschlossenen Starbucks gesessen und deren Internetsignal aufgeschnappt, weil die Router noch liefen)
Ohne Strom sieht man ploetzlich selbst in Manhattan Sterne am Nachthimmel.
                                   Blackout in Lower Manhattan    Foto: foxbusiness.com
Man kann an einem Generator gleichzeitig eine Kuehl-/Gefrierkombo, die Heizung und zwei Lampen anschliessen, sollte es aber vermeiden, dann auch noch den Staubsauger  und den Foehn anzuschalten.
Sechs Maenner koennen nur mit Kettensaege, Hammer und Naegeln in drei Stunden einen Baum aus einem Haus raussaegen und das Dach reparieren.
Nachbarn helfen sich gegenseitig.
Es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Leute von diesem Sturm ueberrascht worden sind, und die jetzt ohne Benzin fuer Autos und Generatoren ueber Stunden an Tankstellen Schlange stehen als haette ihnen keiner letzte Woche schon gesagt, dass sie besser ihre Autos auftanken sollten.
Schlangen an Tankstellen sind manchmal meherer Blocks lang. 

Ein Mann, der gegen seine Frau beim Karten spielen verliert, sollte seinen Spieleinsatz mit Bedacht auswaehlen, sonnst koennte er, wie unser Nachbar Jeremiah, ploetzlich mit vollem Make-up im Gesicht dastehen.
Fuenf Tage ohne haben uns gezeigt, wie sehr wir vom Strom abhaengen und dass wir damit sparsam umgehen sollten. Haben wir daraus gelernt? Neiiiiiiin! 
In der Sekunde, in der der Saft wieder in die Haeuser unserer Nachbarschaft floss, ging es spontan von Kerzenlicht zu Partybeleuchtung. Erstmal heiss geduscht, Backofen angeschmissen, alle Lichter angemacht, alle Nachbarn angerufen, Computer angestellt, Emails gecheckt, Glotze an - wir koennen wohl nicht anders. Nach fuenf Tagen Konversation mit dem Liebsten in voelliger Stille musste erstmal so was wie "Hintergrundmusik" geschaffen werden.
Und heute ist schon wieder alles normal - fuer uns. 23.000 Haushalte in Huntington (insgesamt 75.000 Einwohner) sind noch immer immer ohne Strom und warten darauf, unseren Jubelschrei von Samstag ausstossen zu koennen. Wir wuenschen es ihnen.


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